Stadtspaziergang "Rund um den Wiedenhof"

Gestartet wird von den Parkplätzen an der Oststraße aus. Hier wurde der Wiedenhofbach, der ehemals Lohgruben der Gerberei Schumacher speiste, freigelegt und renaturiert.

Wiedenhof bedeutet „Weihtum"-Hof und meint das landwirtschaftliche Gut, das im Mittelalter den Pfarrer unterhielt. 1131 wird Waldbröl erstmals urkundlich erwähnt, die mittelalterliche Gemeinde nutzte den Wiedenhofbach als Taufwasser und den Schotter der Brölterrasse als Begräbnisplatz.

Heute stehen zwei denkmalgeschützte Pfarrhäuser und einige moderne Gebäude auf dem Wiedenhof.
Wir gehen am Kindergarten (erbaut 1979) vorbei in den alten evangelischen Friedhof, seit 1804 Ersatz für den Kirchhof an der alten Kirche. Hier gibt es einen wunderbaren Bestand von alten Bäumen, verwilderte Schneeglöckchen und Anemonen und viele bemerkenswerte Grabstätten: Gleich am Eingang das Grab Meiswinkel (evang. Pfarrer 1912 -1952), die schlichten Gräber der pietistischen Familie Friedrich oder der schöne Stein der Familie Barth.

Talauf liegt der Wiedenhof-Weiher, der letzte Weiher von ehemals vielen im Stadtgebiet, umgeben von sonst hier seltenen Rotbuchen. Am Weiher erkennt man die Reste einer Freilichtbühne, sogar der „Wilhelm Tell" ist 1935 hier aufgeführt worden. Die Dr.h.c. Schumacher-Straße (der Lehrer erhielt die Ehrendoktorwürde in Bonn für seine pflanzenkundlichen Arbeiten in Oberberg) führt zur Wiedenhofstraße, erbaut als Zufahrt zur „Mauer" mit aufwändigen Bruchsteinmauern.

Westlich liegt die Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkriegs. Stadteinwärts steht das alte evangelische Pfarrhaus, Eichefachwerk von 1825, und das elegante evangelische Gemeindezentrum von 1980.

Nächster Stop ist die Bronzebüste von Friedrich Wilhelm III, preußischer König zur Zeit der Befreiungskriege und Gatte der populären Königin Louise. Das Denkmal erinnert an den 50. Jahrestag der Rede „An mein Volk" vom 17. März 1813. (Am 10. März, Louises Geburtstag, war der Orden „Eisernes Kreuz" gestiftet worden, ein Motiv der Waldbröler Kriegsgedenkstätten.) Das Denkmal steht zum Dank für eine Spende der preußischen Krone zum Neubau der klassizistischen Hallenkirche von 1843. (Noch am 18. Januar 1813 war Paul von Bettenhagen als Aufständischer hinter der Kirche hingerichtet worden.)

Von der romanischen Kirche steht nur noch der Wehrturm aus Grauwacke. Das Westportal ist mit Trachyt aus dem Siebengebirge gefasst, dem Baumaterial des Kölner Doms. Die Kapitelle zeigen Weinblatt und Eichenblatt, ähnlich denen in Nümbrecht und Morsbach. An der Südseite des Turms ist die Grabplatte des Ritters Adolf Quad angebracht, Drost zu Windeck, durch Heirat 1466 Herr auf Isengarten, gestorben 1509. An der Nordseite des Turms ist der Hang zur Bröl hin künstlich steiler gemacht. (Mittelalterliche Wehranlage) Hier gibt es auch noch einige alte Grabsteine.

Der preußische Hofbaumeister Karl Friedrich Schinkel stand mit seinem „Schinkel"-Stil nicht nur Pate beim Neubau der evangelischen Kirche, sondern viele Waldbröler Bürgerhäuser der Gründerzeit sind von seinem Stil geprägt. Schön ist das Haus Hochstr.20 (Handarbeitsgeschäft) mit seinem städtischen „Belle-Etage"-Balkon.

Wir gehen weiter zum früheren Inselplatz. Seit März 2003 steht das Denkmal für Wilhelm von Zuccalmaglio, die 40 Jahre alte „Borries-Stele", auf dem Platz, der zum 200. Geburtstag ihm zu Ehren umbenannt wurde.

Das katholische Pfarrhaus von 1855 ist ein gutes Beispiel des „Bergischen Barock". In einer Nische über der Tür steht der Gute Hirte in Anlehnung an Johannes 10,11-16: „Und es wird eine Herde und ein Hirt werden."
Der Oekumene-Gedanke hat in Waldbröl alte Tradition, nachdem es in Folge der Reformation zu schweren Konflikten zwischen den Konfes-sionen gekommen war: Nach dem Waldbröler Kreuztumult von 1703 mussten die Protestanten den Katholiken beim Bau einer Kirche „Auf dem Breiten Weiher" helfen.

1960 - 1964 wurde die katholische Kirche völlig modernisiert und „umgedreht". Traditionell ist das Langhaus einer Kirche von Westen (Welt) nach Osten (Himmel) orientiert.

Über eine Treppe erreicht man die Kaiserstraße. Im Schaufenster der Adler-Apotheke von 1808 ist in der Weihnachtszeit eine große Krippe dekoriert. Die Klostergasse erinnert an die „Armen Franziskanerinnen" aus Olpe, die ab 1910 in Waldbröl tätig waren. 1915 bezogen die Nonnen ein Kloster an der Stelle, wo heute das Dechant-Wolter-Seniorenheim steht.

Letzte Station auf dem Spaziergang ist das Haus Kaiserstr. 25 (Pralinen-Triebsch). Hier steht in Nachbildung das Waldbröler Sühnekreuz von 1703. Vorn zeigt es den Gekreuzigten mit der Heilig-Geist-Taube und geflügelten Engelsköpfen. Die hier unsichtbare Rückseite zeigt den Heiligen Michael als römischen Offizier mit Waage und Schwert. Dies ist der einzige Hinweis auf das Waldbröler Kirchenpatrozinium im Mittelalter.

Über die Bergstraße erreichen wir die evangelische Kirche und von dort den Ausgangspunkt des Spaziergangs.

Besichtigung: Der Turm der evangelischen Kirche ist seit 2003 ganztägig geöffnet. Eine Besichtigung der Kirche kann im evangelischen Gemeindebüro unter Tel. (02291) 92140 vereinbart werden.

 

 

Literaturhinweise

(Zu entleihen in der Stadtbücherei)

     

  • „Kirche in Waldbröl 1131 - 1981" Druckerei Heise 1981
  • „Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael" Karl Schröder 1966
  • „Geschichte von Waldbröl" Gottfried Corbach 1973
  • „Waldbröl - wie es wurde, was es ist" Otto Budde 1981

Prospekt in Druckversion herunterladen

Dieser Text wird als Prospekt herausgegeben
in Zusammenarbeit von:


Stadt Waldbröl
Nümbrechter Str. 21, 51545 Waldbröl
Telefon 02291-85-0

Stadtbücherei Waldbröl
Kaisterstraße 82, 51545 Waldbröl

Lieber Lesen e.V.


 Zu den anderen Stadtspaziergängen

Links

Kultur- und Sozialpartner der Stadt

Ev. Kirchengemeinde Waldbröl
Kath. Kirchengemeinde Waldbröl
Freie evangelische Gemeinde Waldbröl

Das größte zusammenhängende Waldgebiet im Bergischen Land und eines der weitflächigsten Forstgebiete Nordrhein-Westfalens.