Stadtspaziergang "Diezenkausen"

Der älteste Waldbröler Weiler mit seinen verwinkelten, landwirtschaftlich geprägten Dorfstraßen präsentiert sich auch heute noch immer als typisch oberbergisches Dorf.

Die erste urkundliche Erwähnung von Diezenkausen stammt vom 14. Dezember 1300. Als Zeuge in einem Erbstreit zwischen den Brüdern Gerhard und Simon von Schönstein, letzterer als „ Pleban von Numbrecht“ Inhaber einer Pfarrstelle, unterschrieb Ritter Jacob von Deyzenhusen eine Urkunde im Zisterzienserkloster Marienstatt. Dass Diezenkausen schon weit vor dieser Erwähnung bestand, darf jedoch als wahrscheinlich angesehen werden.

Ausgangspunkt des Spaziergangs ist der Parkplatz “An der Maibuche”. Von der Turnerstraße biegen wir rechts in den Lerchenweg ab. Hinter der Biegung bietet sich ein eindrucksvoller Blick über Diezenkausen bis ins Langenbachtal. Am Ende des Lerchenwegs geht es die Turnerstraße rechts bis zu Kreuzung Ritter-Tillmann- Straße. Zuvor werfen wir auf der linken Seite hinter der Haltestelle der Linie 345 (Diezenkausen) einen Blick auf eine ländliche Besonderheit der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: die Diezenkausener Wasch-gemeinschaft. In der Zeit, als automatische Waschmaschinen noch längst nicht für jedes Familienbudget erschwinglich waren, wurde in der Landwirtschaftsschule (damals noch in Waldbröl) die Idee geboren, Gemeinschaftsanlagen einzurichten. Das Land NRW bezuschusste solche Einrichtungen, die teilweise schon kurze Zeit später um eine Gefrieranlage erweitert wurden, unter dem Leitsatz „Erleichterung für die Landfrau“ mit einem Finanzierungsanteil von 50 %. Heute ist die Waschgemeinschaft, die im September 1957 mit 24 beteiligten Familien, zum Teil auch aus Nachbardörfern, eingeweiht wurde, längst aufgelöst. Das Gefrierhaus mit 20 Gefriertruhen und einem Kühlraum wird noch immer voll genutzt.

Von der Turnerstraße biegen wir rechts in die Ritter-Tillmann-Straße ab. Der Blick fällt sofort rechts auf ein stattliches Fachwerkhaus (Turnerstraße 89). 1801 erbaut, gehört es zur historischen Bau-substanz des Ortes, die im Unterschied zu einigen anderen Häusern gleichen Alters ihre ursprüngliche Schönheit nicht hinter Holz, Putz oder Fassadenplatten versteckt.

Das nächste schöne Anwesen ist das Haus Ritter-Tillmann-Straße 2, 1805 erbaut und heute ebenso unter Denkmalschutz wie viele andere im Ort. Rechts neben dem Haupthaus steht das einzige im Ort übrig gebliebene funktions-fähige Backhaus.

Kurz bevor wir zur Ortsmitte mit seiner Gedenktafel zur 700- Jahr- Feier und dem Schwarzen Brett mit Dorfnachrichten kommen, reizt ein Blick nach links über eine kleine Obstwiese hinweg auf das Anwesen Sperberweg 2 und 4.


Vor der großen Scheune, 1931 erbaut, die heute das „Dorfhaus“ birgt, biegen wir rechts ab in die Diezenkausener Straße. Unmittelbar hinter der Scheune links versteckt sich, unscheinbar und holzverkleidet, das wahrscheinlich älteste Haus des Ortes, das „Haus Jacobs“ ( Nr. 4 ).Als der aus Drinhausen stammende „Ackermann“ Johannes Peter Jacobs etwa 1792 das Haus kaufte, machte es schon einen alten verfallenen Eindruck.

Bis 1916 war das Anwesen im Besitz der Familie Jacobs, die seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts Mitglied der „Theosophischen Gemeinschaft von Jacob Böhme“ war. Diese Abspaltung der evangelischen Kirche ließ die Glaubensbrüder und schwestern, die alle im landwirtschaftlichen Betrieb tätig waren, ihre Gottesdienste und Andachten ausschließlich in ihren Häusern abhalten. Lediglich bei Beerdigungen wurde die evangelische Kirche in Anspruch genommen.

Dem ältesten Haus gegenüber steht das jüngste, das sogenannte „Strohballenhaus“ (Nr. 9 a/b), das eine alte Scheune ebenso einbezogen hat wie das denkmal-geschützte Backhaus nebenan (9 c). In das Gerippe einer Holzständer-Konstruktion wurden als Kern der Außenwände schlicht Strohballen eingebaut, wie sie auf jedem Feld beim Ernten abfallen. Sie sorgen im ganzen Jahr für gutes Klima und hervorragende Dämmwerte.

Die Häuser Nr.11 und Nr. 6 gehören zur alten Bausubstanz. Wir lenken unseren Schritt wieder zurück in Richtung Dorfplatz. Hinter der Scheune biegen wir rechts in den Sperberweg ein. Auf der rechten Seite, dicht neben Nr.1 , steht die schätzungsweise über 300 Jahre alte Linde, die vor mehr als einem Jahrzehnt mit einer Eisenmanschette gestützt wurde.

Hinter der Linkskurve stehen wir vor der Einfahrt zu Sperberweg 2 und 4. Der Türinschrift ist zu entnehmen, dass es von den Eheleuten Anton und Elisabeth Demmer erbaut wurde, um 1780.


Letzte Station im Sperberweg ist Haus Nr. 8, erbaut 1860. Wir verlassen den Sperber-weg hin zur Turnerstraße, auf der wir rechts in Richtung Niederhof abbiegen. Unser Ziel ist die ehemalige alte Rittermühle, die bis Ende 1960 in Betrieb war. Heute ist die Mühle eine Gaststätte, „In der Klus“, die zur Zeit weiter ausgebaut wird. Reste der alten Mühlsteine sind im Gebäude vermauert.

Von der „Klus“ führt unser Weg nach rechts auf die Bröler Straße, am Campingplatz entlang. Direkt hinter dem Campinggelände geht es rechts über eine Einbahnstraße zurück nach Diezenkausen.


Am Ortseingang rechts sehen wir die Hofanlage Diezenkausener Straße Nr.8. Bis 1950 erstrahlte sie noch als wunderschönes Fachwerkhaus.



Direkt dahinter blicken wir auf das schiefervertäfelte Doppelhaus Nr. 17 und Nr. 15. Links davon biegen wir in den Erlenweg ein. Hinter dem alten Fachwerkhaus Nr. 1 geht es rechts ab zu Nr. 3a, das mit der Diezenkausener Straße 4 im Wettstreit um das älteste Haus des Ortes liegt.

Im gesamten Komplex von 3a, 7 und 5 lebten und arbeiteten als Landwirte seit Beginn des 20. Jahrhunderts die „Böhmischen“ (Vergl. Geschichte von Diezenkausener Str. Nr. 4) Vor uns liegt jetzt das Haus Nr. 7. Neben Nr. 5 gehörte es zu den 1909 gegründeten Hausgemeinschaften der „Freunde von Jacob Böhme“. Von Nr.7 hat man einen schönen Blick auf die Schiefer- und Holzfassaden des Dorfkerns mit der mächtigen Linde im Hintergrund.
Von Nr. 7 geht es zum Erlenweg 5.

Auf dem kurzen Weg dahin genießen wir auch den Blick auf die Rückfront von 3a. An „Rötzels Scheune“ vorbei führt ein Feldweg nach rechts mit alten Obstbaumbeständen . Nach etwa 150 Metern geht es hoch bis zum Parkplatz der „Christen Baptisten-Gemeinde Waldbröl“.

Von hier sind es wenige Schritte nach rechts bis zum Lerchenweg. Dem Lerchenweg folgen wir links bis zur Turnerstraße, auf der wir uns links zurück zum Ausgangspunkt unseres Spaziergangsbewegen.

  

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